Marketing-Club Siegen e.V

Club Veranstaltung vom 11. Mai 2010

"Handel im Wandel"-
Marketing-Club Siegen diskutiert Zukunftstrends und Strategien im Einzelhandel


Gerade die Siegener Einzelhandels-Landschaft spiegelt in deutlicher Weise den teilweise dramatischen Veränderungsprozess im Handel wider. Ober- gegen Unterstadt, traditionsreicher inhabergeführter Fachhandelsbetrieb gegen Großfläche, Premium gegen Discount, Warenhaus gegen Shopping-Center, die Liste ließe sich beinahe beliebig fortführen.

Doch wie sieht nun die Zukunft der einzelnen Konzepte im Einzelhandel aus? Welche Strategien können den Akteuren der einzelnen Betriebsformen das Überleben sichern? Antworten auf diese drängenden Fragen erhielten die Besucher beim Clubabend des Marketing-Club Siegen in der "Pfeffermühle" von der Handelsexpertin Univ.-Professor Dr. Hanna Schramm-Klein. Die Marketing-Fachfrau von der Universität Siegen zeigte bei ihrem "Antrittsbesuch" im Marketing-Club sehr kompetent, strukturiert, unterhaltsam und unter Verwendung zahlreicher Praxisbeispiele auf, wie der Handel auf die neuen Herausforderungen mit neuen Formaten und Strategien reagieren kann, um sich erfolgreich und nachhaltig zu positionieren.

Die Gründe für den dynamischen Veränderungsprozess im Handel sind vielfältig. Die höchste Relevanz haben dabei Veränderungen des Konsumentenverhaltens, denen der Handel begegnen muss. Hier spielen die veränderten sozioökonomischen und soziodemografischen Bedingungen wie beispielsweise die Verschiebung der Altersstruktur oder die zunehmende "Singleisierung" eine Rolle. Entgegen dem Trend zur Großfläche "auf der grünen Wiese" der letzten Jahre sieht die Handelsexpertin hier ein "Comeback der Citylage".

Der Konsument, egal ob Single oder als älteres Semester zur so genannten "Silver Generation" gehörend, möchte in Zukunft seine Einkaufsmöglichkeit in direkter Nachbarschaft vorfinden. Hier könnte der "Tante Emma Laden" sein Revival feiern, allerdings mit einem neuen, den Erwartungen der Zielgruppen angepassten Sortiment, das den so genannten "Convenience-Gedanken" in sich tragen muss.  "Stellen sie sich dafür am besten das Sortiment einer Tankstelle vor, allerdings ohne die Möglichkeit des Tankens, so Univ.-Professor Dr. Hanna Schramm-Klein.

Auch viele Hersteller entwickeln im Rahmen von Vertikalisierungsstrategien Konzepte, mit eigenen Shops näher am Puls der Zielgruppe, also am Konsumenten, zu sein. In diesen, oftmals als "Flagship-Stores" ausgebauten Einkaufsstätten kann sich die Marke der Hersteller optimal in Szene setzen und inszenieren. Auch die immer härter ausgetragenen Preisverhandlungen zwischen Handel und Produzenten, deren Ausmaß einen zunehmend existenzbedrohlichen Charakter für viele Hersteller annimmt, sind letztlich ein Grund, dass gerade die Marketingverantwortlichen starker Herstellermarken über solche Vertikalisierungsszenarien nachdenken. Auch eine weitere Zunahme der "Factory Outlets" erwartet die Handelsexpertin im Hinblick auf die Bemühungen vieler Produzenten, direkt auf die Vermarktung zum Endkunden hin Einfluss nehmen zu können.

Das Internet mit all seinen Möglichkeiten stellt insbesondere auch für den Handel nach wie vor einen Megatrend dar, dessen Ende noch lange nicht absehbar ist. Hier sind jedoch, insbesondere von Handelsunternehmen, die ihren Ursprung im stationären Handel haben, keine isolierten Internetstrategien, sondern so genannte "Multi-Channel-Systeme" gefragt. So möchte der Kunde das beispielweise am heimischen PC im Internet erworbene Produkt auch in der Filiale umtauschen können, er erwartet auch überall das gleiche Sortiment und gleichen Service, egal ob im Onlineshop, im Katalog oder in der Filiale.

"Darüber hinaus wird der Austausch mit anderen Kunden über Kundennetzwerke deutlich an Bedeutung gewinnen", machte Univ.-Professor Dr. Hanna Schramm-Klein den interessierten Besuchern des Marketing-Club klar. Getrieben von der rasanten technischen Entwicklung sind innovative Handelsunternehmen heute mehr denn je gefordert, über alle Kanäle mit ihren Kunden zu kommunizieren. Diese Plattformen müssen dann für den Kunden stets erreichbar sein, egal ob über Notebook, Handy oder "klassisch" über die stationäre Filiale.



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